Gutes Wetter als Anti-Stress-Mittel

Eiger-Mönch-Jungfrau, 14. April 2013

Blauer Himmel, Sonne und warmes Wetter! Genau das Richtige, um die grauen, kalten und dieses Jahr besonders langen Wintermonate zu vertreiben. Denn sind wir ehrlich: Auf die Dauer drückt dieses trübe Wetter aufs Gemüt! Die Corporate Health Convention hätte sich daher keinen passenderen Zeitpunkt aussuchen können. So drehte sich vergangene Woche bei der 3. Europäischen Fachmesse für betriebliche Gesundheitsförderung und Demografie in der Messe Halle 3 in Zürich alles um die Gesundheit der Arbeitnehmer. Den zahlreichen Schaustellern wurde eine Präsentationsplattform zur Verfügung gestellt, um ihre Rezepte und Mittelchen zur Förderung, Erhaltung von Gesundheit, aber auch zur Behandlung von Krankheitssymptomen, anzupreisen. Dabei stand der zunehmende (psychische) Stress am Arbeitsplatz im Mittelpunkt des Interesses. Für die einen eher der präventive bzw. gesundheitsfördernde Aspekt (Unternehmensberater und Dienstleister im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), Krankenkassen, staatliche Akteure (SECO), Fitnesscenter) für die anderen eher die klinische Behandlung (Privatkliniken).

Das Themenspektrum war aber breit und reichte von der Arbeitssicherheit über die Ergonomie am Arbeitsplatz bis hin zu gesunder Ernährung. Dem Messebesucher standen im „Gesundheitsparcours“ auch verschiedene medizinische Ceck-ups zur Verfügung. Der Vernetzung, Verbreitung und somit Förderung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements auch mittels Organisation von Anlässen widmete sich hingegen das “BGMnetzwerk.ch” (ehemals SVBGF, Schweizerischer Verband für betriebliche Gesundheitsförderung).

Eine geballte Ladung Informationen wartete in Form von interessanten Vorträgen auf die Zuhörer, denn zahlreiche Redner stellten ihre Konzepte und Programme zur Verbesserung der Arbeitergesundheit vor und beleuchteten einzelne Symptome. Besonders informativ und gut besucht waren die Vorträge zum Thema Stress respektive Burnout.

Der Umgang mit Überforderung am Arbeitsplatz ist brandaktuell, denn Stress ist weit verbreitet: Laut der “Stressstudie 2010“ des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) ist nämlich rund ein Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz häufig oder sehr häufig gestresst, was einer Zunahme von sieben Prozent in den letzten 10 Jahren entspricht!

Stress ist momentan ein Topthema in der Arbeitswelt. Dies veranschaulicht auch der Umstand, dass dieser Überforderung (Ungleichheit von Anforderungen und Ressourcen) auch in der parallel stattfindenden, grösseren Messe “Personal Swiss” mit dem Vortrag “Stress am Arbeitsplatz – ein notwendiges Übel” von Prof. Norbert K. Semmer (Uni Bern) Beachtung geschenkt wurde (von der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz organisiert).

Im Umgang mit Stress spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle: So haben die Betriebe die Möglichkeit, Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren und die Gesundheit der Mitarbeitenden positiv zu beeinflussen. Aber auch der Arbeitnehmer hat eine gewisse Verantwortung, auf seine Gesundheit zu achten – in erster Linie für sich selber. Wie die Prävention in diesem Zusammenhang aussieht, darüber referierte Frau Dr.med. Barbara Hochstrasser, Chefärztin der Privatklinik Meiringen in ihrem Vortrag “Stress und Burnout- Prävention“. In einem ersten Teil definierte sie Stress als “eine psychophysische Reaktion auf persönlich relevante Herausforderungen bei eingeschränkten Bewältigungsstrategien” und erklärte, was genau im menschlichen Körper bei Wahrnehmung von Stress geschieht. Dabei differenzierte sie positiven und negativen Stress, welcher dann zu Chronischen Stress mit verschiedenen gesundheitlichen Störungen führen kann, unter anderem zu Burnout. Dieser “Zustand von grosser Erschöpfung, reduzierter Motivation und persönlicher Leistungseinschätzung, verknüpft mit psychosomatischen Beschwerden” kann leider häufig zu einer klinischen Depression, Leistungseinbussen, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und im Privatleben führen. Die Behandlung einer solchen klinischen Depression oder eines Burnouts benötigt dann auch fachkundige Betreuung. Dr. med. Milan Kalabic von den Kliniken Teufen und Zug benannte in seinem Vortrag hingegen die Persönlichkeitsmerkmale Burnout-Gefährdeter: Perfekionisten und Narzisten sind eher anfällig. Doch spielen auch die Auflösung der emotionalen Bindungen mit darauf folgenden Existenzängsten, nicht zuletzt auch wirtschaftlich bedingt durch Umstrukturierungen, Entlassungen etc. eine tragende Rolle bei der Ausbreitung von Stress und Burnout.

Um auf den Wetterumschwung zurückzukommen: Wie kann nun – bildlich gesprochen – der Schnee (Ansammlung von stressigen Momenten aus dem letzten Winter) mit der Sonne (Massnahmen zur Erholung, sprich Ausgleich jeglicher Art) weggeschmolzen werden? Die Prävention von Stress und Burnout muss nach Dr. med. Milan Kalabic sowohl die arbeitsorganisatorische, als auch die persönliche Ebene berücksichtigen. Wichtige Arbeits-Belastungsfaktoren sind vor allem Zeitdruck, unklare Anweisungen, keine Wertschätzung, soziale Diskriminierung, lange Arbeitstage respektive das Erledigen von Arbeitsaufgaben in der Freizeit. Im privaten Umfeld sind die emotionalen Anforderungen wichtig, denn viele Erwerbstätige können nach der Arbeit schwer abschalten oder schlecht schlafen und nehmen Medikamente zu Hilfe. Für Frau Dr.med. Barbara Hochstrasser hingegen besteht die Prävention von Burnout in einer guten Selbstfürsorge und einer ausgeglichenen Lebensführung bei Klärung der Arbeitsplatzsituation und Betonung der eigenen Lebensziele und -werte.

Es gilt aber auch diesen Wetterumschwung zu einer Hebung der Stimmung zu nutzen: also raus gehen, sich bewegen und dabei viel Sonne und Wärme tanken.

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