Unternehmen verbieten E-Mails am Feierabend und am Wochenende

«Die Arbeit ist für mich sehr wichtig, aber Mitten in der Nacht aufwachen, E-Mails lesen und sich das ganze Wochenende den Kopf darüber zerbrechen, das ist keine angenehmes Leben mehr und belastet meine Gesundheit». Solche Zitate sind immer häufiger zu hören. Zwar haben E-Mails die Arbeitswelt beschleunigt und die Produktivität pro Mitarbeiter jährlich um 2-3% gesteigert. Doch neben vielen Vorteilen haben sie auch das unbezahlte Arbeiten zu Hause gefördert. Und die Bearbeitung der E-Mail- und Spam-Fluten beansprucht  viel Zeit – die anderswo fehlt.

Somit ist die Anfangseuphorie über diesen technischen Fortschritt bei immer mehr Arbeitnehmern verflogen – denn (zu) oft nehmen diese ihre Arbeit mit nach Hause. Wenige Zahlen belegen diese Verwischung von Arbeit und Freizeit in den USA. Gemäss dem «Labor Department», dem Ministerium für Arbeit, trifft dies bloss auf einen von 10 Mitarbeitern zu. Diese Angaben aus dem Jahr 2010 entsprechen aber bei Weitem nicht der Realität. Zum einen sind nur die angegebenen und bezahlten Überstunden enthalten. Fehlen tut gänzlich all die Zeit, in welcher E-Mails gecheckt, Telefonate getätigt und andere «dringende» Angelegenheiten erledigt werden. Zum anderen belegen neuere Studien, dass das Nutzungsverhalten bei den neuen Medien viel differenzierter ist. «Jeder zweite Berufstätige in der Schweiz ist nach Feierabend und am Wochenende geschäftlich erreichbar». So lautet beispielsweise das Fazit der repräsentativen Swisscom Lifebalance-Studie von 2012.

Auf diese 24/7-Arbeitseinstellung können eigentlich nur die Manager mit weitereichenden Entscheidungsbefugnissen nicht verzichten, denn oft gilt es für sie schnelle Entscheidungen zu treffen. Ein Umdenken ist trotzdem nicht einfach, denn Fakt ist:  am Wochenende Arbeiten oder um 2 Uhr in der Früh versandte E-Mails – das kommt in der oberen Etage gut an und gilt beim Mitarbeitergespräch auch bei einfachen Mitarbeitern als ein Zeichen von Motivation.

Trotzdem überwiegen bei diesen von den Unternehmen den Mitarbeitern freundlich zur Verfügung gestellten Arbeitsgeräten wie Smartphones, Computern oder iPads «summa summarum» -zumindest am Wochenende- die negativen (gesundheitlichen) Auswirkungen. Denn vermehrt ziehen Unternehmen die Reissleine und verordnen ihrer Belegschaft:  Finger weg von den Smartphones und E-Mails am Wochenende! Dies ist nicht nur ein US-Phänomen: Laut der «Society for Human Resource Management»  verfügt heutzutage ein Viertel der weltweit tätigen Unternehmen über Vademecums, welche die E-Mail-Nutzung ausserhalb der Arbeitszeiten und übers Wochenende regulieren. Dazu gehören bspw. der Autokonzern «Volkswagen», verschiedene Abteilungen von «PricewaterhouseCoopers» sowie das amerikanische Transportunternehmen «PBD».

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